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 Betreff des Beitrags: Bürgerentscheid: Reaktivierung Jagsttalbahn
BeitragVerfasst: 8. Juli 2011, 00:17 
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Jagsttalbahn: Die Bürger sind am Zug

Von Christian Gleichauf

Jagsttalbahn - Es wird wohl Tränen geben, am Sonntag, 10. Juli, kurz nach 18 Uhr. Tränen der Freude, Tränen der Enttäuschung, vielleicht auch Tränen der Wut. Denn an der Entscheidung über die Jagsttalbahn hängen Emotionen. Viel Energie haben die Jagsttalbahnfreunde und ihre Unterstützer in das Projekt gesteckt. Einzelne kämpfen für das Bemberle, seitdem es sich vor 23 Jahren zum letzten Mal auf den Weg von Möckmühl nach Dörzbach machte. In jenem letzten Jahr hatte es 42 000 Besucher durch das Jagsttal transportiert, von denen die meisten Widdern links liegen ließen − schließlich war der Ort nur einer von vielen an der Strecke, und sicher nicht der attraktivste.

Kurzstrecke

Die Situation ist heute eine andere. Widdern soll Start- und Zielpunkt einer neuen Jagsttalbahn werden, so sieht es das Konzept vor, das vor allem der Jagsthäuser Bürgermeister Roland Halter vorangetrieben hat. Möckmühl bleibt außen vor, weil der Abschnitt entwidmet und damit nicht mehr reaktivierbar ist. Die anderen Jagsttalbahnorte Schöntal, Krautheim und Dörzbach dagegen könnten sich irgendwann an das Projekt anhängen, sofern es denn Erfolg hat. Bisher ist man bei den Hohenloher Anliegern noch zurückhaltend, nachdem Krautheim beim letzten Versuch, die Bahn wieder in Betrieb zu nehmen, 2006 einen Rückzieher gemacht hat.

So würde es vorerst also nur eine sieben Kilometer lange Strecke von Widdern nach Jagsthausen geben. die im Dieselbetrieb immerhin 15 000, später mit Dampflok vielleicht sogar 30 000 Besucher pro Jahr anlocken soll. Für Jagsthausen wäre das neben den Burgfestspielen ein weiteres Highlight. Für Widdern aber würde es die Möglichkeit bedeuten, Investoren anzulocken, die mit weiteren touristischen Angeboten Arbeitsplätze schaffen und dem Ort und seinen Bewohnern neue Einnahmequellen ermöglichen.

So sah das zumindest die Mehrheit des Gemeinderats, und so sahen das auch die für verschiedene Fördertöpfe zuständigen Gremien im Kreis, beim Land und bei der EU, die für das Projekt 2,4 Millionen Euro an Unterstützung zusagten − Geld, das es nur für die Jagsttalbahn gibt. Allerdings muss der Ort nach derzeitigem Stand 452 000 Euro beisteuern. Dafür soll ein großer Lokschuppen am alten Bahnhof gebaut und die Strecke saniert werden. Den späteren Betrieb gewährleisten die Vereinsmitglieder der Jagsttalbahnfreunde auf ehrenamtlicher Basis.

Risiko zu groß?

Für eine anfangs kleine, dann aber rasant wachsende Gruppe von Widdernern ist das jedoch zu viel Geld. Sie glauben nicht, dass der Idealismus bei den Firmen und den Jagsttalbahnfreunden so groß ist, dass die Stadt nicht doch irgendwann noch einmal Geld nachschießen muss. Und auf der anderen Seite sehen sie nicht ein, warum die Stadt − sollte die Bahn erfolgreich sein − nicht auch finanziell beteiligt wird. Hunderte Widderner zeigten mit ihrer Unterschrift, dass sie solche Bedenken teilen. Damit wuchs der Druck auf den Gemeinderat, die Entscheidung auch von den Bürgern in einer Abstimmung legitimieren zu lassen.

Endspurt

Nun ist also der Souverän am Zug, das Volk. Während die Gegner ziemlich sicher sind, dass sie die Mehrheit auf ihrer Seite haben, machten die Befürworter erst relativ spät mobil. Innerhalb weniger Wochen wurden dann allerdings sieben Flugblätter gedruckt und verteilt. In persönlichen Gesprächen und bei Veranstaltungen versuchten sie, die Mitbürger davon zu überzeugen, dass es sich bei der Jagsttalbahn nicht um ein Hobby von wenigen handle, sondern um die größte Chance, die die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten hatte.

Was Ja und Nein bedeuten

Wenn beim Bürgerentscheid die Mehrheit der Widderner gegen die Jagsttalbahn stimmt und diese Gegenstimmen mehr als einem Viertel der Stimmberechtigten entsprechen, ist das Projekt gestorben, es zählt der Bürgerwille. Ist die Mehrheit dagegen, ohne das Quorum von 25 Prozent zu erreichen, so gilt der Gemeinderatsbeschluss, der die Wiederinbetriebnahme der Bahn vorsieht.

In diesem Fall, oder auch wenn die Mehrheit für das Projekt stimmt, kommt das Bemberle aber nicht mit absoluter Sicherheit. Denn sollte das Projekt teurer werden als geplant – was nach Eingang der Angebote für die Arbeiten beurteilt werden soll – müssten die Gemeinderäte von Jagsthausen und Widdern einer Nachfinanzierung zustimmen. Dies, so wurde bei der Informationsveranstaltung in Widdern deutlich, soll nicht geschehen. Sobald ein Gremium nicht zustimmt, wird das Projekt beendet.

Quelle: STIMME.de 6. Juli 2011 http://www.stimme.de/heilbronn/jagsttal ... 65,2182548

Am Sonntag entscheidet es sich also, ob die Strecke wieder in Betrieb genommen werden kann (falls bezahlbar).


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