Verkehrsforum Karlsruhe

Alles zum Thema Verkehr in Karlsruhe und Region
Aktuelle Zeit: 23. Februar 2018, 19:15

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 26 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 00:32 
Offline

Registriert: 4. Mai 2016, 00:08
Beiträge: 1
Ich habe als Hamburger am Wochenende eine Fahrt von Karlsruhe in das Murgtal genießen können. Auf der Rückfahrt fädelte die Tram sich in die Straßenbahnschienen ein. Es war ein Erlebnis! Nicht nur aus der Sicht der Eisenbahntechnik, sondern aus der Freude, wie hier mit viel Phantasie und einem Willen zu einem optimierten ÖPNV-System technische und Denkbarrieren gelöst und durchbrochen wurden,

Ganz anders in Hamburg: Dort wurde eine Straßenbahn in den 70gern abgeschafft, später neu diskutiert und vor ca. 5 Jahren gar konkret projektiert. Und verworfen.

Der Chef der Hochbahn (so heißt unsere U-Bahn hier), Günther Elste, hat dann vorgeschlagen, U-Bahn Züge als Straßenbahnen weiter in die anzubindenden Stadtteile zu führen, um so Redundanzen mit der S-Bahn zu vermeiden. Ein völlig neu entstehendes Straßenbahnnetz erschien zu aufwendig. Die Industrie böte so etwas an. Diese Idee wurde dann einfach so (!), ohne Argumentationen, von der Politik weggefegt. In Karlsruhe ist das längst realisiert, während in Hamburg Ideen, Konzepte brach liegen. Ein Beispiel: : Nutzung eines bestehenden Gleises nach Geesthachts.

Ich will Euch nicht langweilen mit ungelösten, nördlichen Problemen. Aber es sieht toll in eurer Region aus, und ich wünschte mir manchen Exkurs Hamburger "Entscheidungsträger" von ihrem Metropolsockel in eine ÖPNV-Welt, die als simple, aber immerhin real und nicht Luftschloß gedacht existiert.

Beifall!!!


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 12:41 
Offline

Registriert: 9. Januar 2014, 20:55
Beiträge: 132
Wohnort: Baden-Baden
Ja, für Außenstehende aber auch als Bewohner des KVV-Gebiets, ist es natürlich immer noch etwas besonderes. Leider ist es in den letzten paar Jahren der Service und ein paar andere Sachen schlechter geworden; aber das scheint ja ein deutschlandweites Problem zu sein, aber vor allem auch durch den ehemaligen Chef des KVV/AVG/VBK, der jetzt ins Augsburg verweilt

Ein großes Dankeschön muss man dem "Erfinder" des Karlsruher Modells Dr. Dieter Ludwig geben. Ohne seine Fantasien, Ideen und Visionen wäre vieles nicht möglich gewesen. Vor allem muss er sehr überzeugend die Politiker davon überzeugt haben. Man muss sich ja nur die Fahrpläne vor der EInführung und nach der EInführung sehen. Wenn man bedenkt, dass die DB Strecken wie die Murgtalbahn oder die Kraichgaubahn einstellen wollte (kein Wunder bei so einem Fahrplan). Wenn man bedenkt, dass man auf Strecken wie z.B. die Kraichtalbahn, in der HVZ im 20min-Takt verkehrt, obwohl das Kraichtal das Gegenteil von einer starken Bevölkerungsdichte ist. Auf der Kraichgaubahn fährt man sogar täglich im 20min-Takt - vor 1994....ach, da muss man nicht viel sagen; sonntags konnte man die Fahrten an einer Hand (!) abzählen.

Natürlich ist nicht alles perfekt, man kann immer alles besser machen. Leider kam es hier in den letzten Jahren auch zu Kürzungen und Streichungen, vor allem im Busverkehr in Rastatt und Baden-Baden. Herr Ludwig ist nun aber schon seit seit 10 (?) Jahren nicht mehr dabei. Aber seine Visionen fahren zum Glück immer noch rum - seine Devise "Die Bahn muss zu den Bürgern und nicht die Bürger zur Bahn" sollten den aktuellen Verantwortlichen gut eingetrichert werden (Bahn kann auch durch Bus ersetzt werden).

_________________
Nahverkehr in Baden-Baden und Sinzheim

Meine ÖPNV-Galerie


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 13:22 
Offline

Registriert: 11. April 2013, 13:15
Beiträge: 24
Wohnort: München
Das kann man nur unterstreichen. Karlsruhe hat ein Vergleich schon sehr gutes Schienennetz, dass es ohne Dieter Ludwig nicht in dieser Dimension geben würde. Ich selbst lebe seit 15 Jahren in München und bin dort einerseits von einem großstädtischen Nahverkehrssystem verwöhnt. Andererseits ist es auch hier manchmal erschreckend, mit welch bescheidener Infrastruktur etwa mit dem (einzigen!) Trambetriebshof und den nicht gerade modernen Busbetriebshöfen der Verkehr einer Millionenstadt abgewickelt wird. Auch die U-Bahn muss mit nur einem Betriebshof auskommen und besitzt sonst nur Abstellanlagen. Hier finde ich, dass Hamburg in der Vergangenheit vorausschauender in seine Betriebshöfe bei Bus und U-Bahn investiert hat. In München müssen nun in schwierigen Zeiten gleich drei Betriebshöfe entstehen, um das Fahrgastwachstum weiterhin bewältigen zu können.
Dringend notwendige Tram-Tangenten werden durch den kleinkarierten Widerstand von CSU-nahen Wutbürgern verzögert, wohin gegen weitgehend nutzlose U-Bahn-Verlängerungen den Wunschzettel füllen. Das ist natürlich alles kein Vergleich zu den Verhältnissen in HH, denn zumindest hat man in München in den vergangenen Jahren erheblich in die Erweiterung des kommunalen Schienennetzes investiert. Dennoch bleibt man aktuell unter seinen Möglichkeiten und versucht das Fahrgastwachstum in erster Linie durch Erweiterungen im Busnetz abzufangen. Zumindest positiv hierbei ist, dass auch zahlreiche neue Direktverbindungen entstanden sind und noch entstehen.
Das würde ich mich wiederum auch in Karlsruhe wünschen, wo ja leider in den letzten Jahren einiges an Busverbindungen schlechter geworden oder gar ganz weggefallen ist. Hoffentlich endet das nicht in einem Teufelskreis.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 13:33 
Offline

Registriert: 26. Juli 2014, 19:36
Beiträge: 176
Schön, dass du uns besucht hast, hier in Karlsruhe! Ich persönlich glaube nicht, dass ein Tram-Train-System speziell in Hamburg sinnvoll wäre, man hat hier schon die Stadt mit der Hochbahn und das Umland mit der S-Bahn ganz gut angebunden. Es wäre sinnvoller das S-Bahnnetz oder das U-Bahnnetz weiter auszubauen. Hamburg ist wohl kaum zu vergleichen mit Karlsruhe (Einwohner, vorhandene U-Bahn und S-Bahn... Ich nehme einmal das Beispiel Kiel, hier gibt es vorher keine U-Bahn, S-Bahn oder ähnliches, deswegen könnte es dort Erfolg haben. Aber selbst hier in Karlsruhe ist nicht alles so perfekt. Ich gedenke an die beinahe täglichen Verspätungen, Störungen und Umleitungen vor allem in der HVZ. Das man tagsüber auf einigen Linien nicht einmal sitzen kann, weil sie so voll sind, nur nebenbei. Die Fahrzeiten sind teilweise ohne jeglichen Verstand entstanden. Dass man oft in eine Richtung länger braucht als in die andere, auf der selben Linie, zur gleichen Tageszeit. Dadurch entsteht ein neuer Trend 'Abstehen' genau so wie der andere Trend 'Wir fahren langsamer als das Fahrrad'. Über sinnvolle Umsteigezeiten wird auch nicht immer nachgedacht. Beispiel Yorckstraße zwischen den Rheinstetten und Hochstetten fahrenden Stadtbahnen. 21 Minuten. Entweder ich riskiere eine Minute und bekommen den vorherigen Zug, wenn der Fall überhaupt eintritt (Verfrühung/Verspätung), und lasse mich beim Gleiswechsel womöglich überfahren oder warte solange bis ich blöd werde.

Am Bahnhof Bretten haben sie sich zumindest mal Gedanken gemacht und ein vorbildliches Umsteigesystem entwickelt, zwischen den Bahnen der S4 und der S9. Hier kommen alle vier Züge gleichzeitig an, warten wenige Minuten bis wirklich alle umgestiegen sind, und fahren dann wieder ab. Bei mir hat das immer bestens funktioniert. Was sie bei Verspätungen machen, kann ich nicht sagen.

Sorry, dass ich hier mehr kritisiert habe als gelobt. Ich könnte natürlich auch die ganzen positiven und gut gelungenen Dinge auflisten, das kann der nächste machen. Gerade da viele Denken, es sei alles perfekt hier. Würdest du 'normale Kunden' befragen, würden die dir nie unterschreiben, dass alles so toll ist. Durch die Zugausfälle in den letzten Jahren haben sie auch einige verkrault.

Das System auf Hamburg zu übertragen würde sehr aufwendig sein und daran glaube ich auch weniger. Für Großstädte ist das bestimmt nicht die wahre Sache. Mit einem U und S-Bahnsystem hat man viel mehr Kapazität. Ich will es dir nicht ausreden, aber das ist meine Meinung.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 15:08 
Offline

Registriert: 11. April 2013, 13:15
Beiträge: 24
Wohnort: München
In Hamburg müsste es ja weniger um ein Tram-Train-System gehen. Immerhin mit den Zweisystem-S-Bahnen ja mittlerweile auch einen pragmatischen Weg gefunden, das enge Korsett des Stromschienenbetriebs zu überwinden - eigentlich sogar eine Abwandlung des Karlsruher Ansatzes. Die riesige Lücke hat die klassische Straßenbahn gerissen und da hätte alleine ein rein innerstädtisches System einen mehr als hohen Verkehrswert. Ich verstehe nicht, wie man in ein Bussystem einen hohen dreistelligen Millionenbetrag stecken kann, um damit allenfalls noch geringfügige Kapazitätssteigerungen abfedern zu können. Vom Ziel der "emissionsfreien Busse" verabschiedet man sich auch langsam. Kein Wunder - würde es doch beim derzeitigen Stand auch das bestgeführte Unternehmen in den Ruin treiben :eek: . Aber leider pflegt man in HH trotz potenziell (noch) vorhandener Trassen dogmatisch die Bus-Ideologie - das Eingestehen einer früheren Fehleinschätzung fällt wohl immer noch schwer.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 18:53 
Offline

Registriert: 9. Januar 2014, 20:55
Beiträge: 132
Wohnort: Baden-Baden
Man kann ja immer irgendwas kritisieren, aber auch mal loben. Leider hat der gute Ruf des Karlsruher KVV in den letzten Jahren deutlich gelitten. Die Probleme und Ursache sind klar, die aber leider nicht von einen auf den anderen Tag abgeschafft werden können.

Was aber leider in Karlsruhe und im KVV kritisiert werden kann und muss, dass es doch an einigen Direktverbindungen fehlt. So fehlt eindeutig eine regelmäßige ÖPNV-Verbindung zwischen den Bergdörfern und Waldbronn/Karlsbad. AUch der Bereich STaffort/Spöck/Büchenau fiele mir da ein oder auch Weingarten <-> Kraichgaubahn; Durmersheim <-> Malsch ebenso. So eine Liste lässt sich mit vielen anderen Strecken fortführen. Einige Querverbindungen verkehren leider nur Mo-Fr, so wie z.B. die 124 zwischen Linkenheim und Graben-Neudorf oder die 193 zwischen Waghäusel, Kirrlach und Bad Schönborn.

In Karlsruhe besteht teilweise auch das gleiche Probleme. Einige Viertel haben auch nicht grad kurze Fußwege zu den Haltestellen, wie z.B. in Rüppurr oder Daxlanden. Und einige Querverbindungen gibts es auch nicht täglich. Aber München ist ja ähnlich zentral beim ÖPNV gebaut. Da haben sich aber auch einige Sachen verbessert.

Und Hamburg: wie im Thema schon erwähnt wurde, fehlt einfach die Straßenbahn in Hamburg. Linien, die zum Teil mit Doppelgelenkbussen im Pulk fahren ist der Stadt nicht würdig. Mit "grünen" Technologien beim Bus wird man das Problem nicht lösen, da müsste deutlich mehr in sinnvolle(re) Schienennetze investiert werden; aber bitte nicht in solche Sachen wie die U4.

_________________
Nahverkehr in Baden-Baden und Sinzheim

Meine ÖPNV-Galerie


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 21:07 
Offline

Registriert: 26. Juli 2014, 19:36
Beiträge: 176
Das ist mein Ernst und es klingt verrückt, aber ich denke gerade darüber nach wie es aussehen würde, wenn man abends in der HVZ, stadtauswärts einen Teil der Eilzüge oder Kurszüge durch Sprinter ersetzt. Ich könnte mir das auf folgenden Linien ansatzweise vorstellen:
S1 Karlsruhe-Hochstetten
S1 Karlsruhe-Ittersbach/Bad Herrenalb
S31 Karlsruhe-Odenheim
S32 Karlsruh-Menzingen
S5 Karlsruhe-Wörth Dorschberg

Ich gehe nicht davon aus, dass man das in nächster Zeit oder überhaupt verwirktlich, aber mir würde es gefallen.

Teilweise sind die Eilzüge echt ein schlechter Witz, eilen tuen die ja nicht wirklich. Nach Hochstetten gibt es gar keine mehr stadtauswärts und stadteinwärts halten die in allen Hardtgemeinden an jedem 'Bauerngässle'. Immerhin gibt es den Eilzug noch stadteinwärts. Genau so auf den meisten DB-Linien gibt es auch keine Eilzüge und wenn es welche gibt holen die auch nicht gerade so viel Zeit raus, wenn man nicht gerade den S31 Freudenstadt EILZUG nutzt.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 4. Mai 2016, 22:25 
Offline

Registriert: 9. Januar 2014, 20:55
Beiträge: 132
Wohnort: Baden-Baden
ProBahn hatte mal einen interessanten und wie ich finde, auch sinnvollen Vorschlag:

So sollte die alte Hardtbahn, die ja im südlichen Teil noch vorhanden ist, wieder für den Personenverkehr reaktiviert werden. Damit gäbe es eine schnelle Verbindung zwischen Hardt und Hauptbahnhof, sowie in den westlichen Teil von Karlsruhe, wo z.B. Siemens angesiedelt ist. In Höhe des Siemenswerkes könnte man z.B. einen Haltepunkt errichten. Hier verkehrt ja die Linie 2 über eine Brücke direkt über der Haardtbahn. In Höhe der Annweiler Straße (Kreuzung mit Linie 74) wäre auch eine Haltepunkt überlegenswert; sowie in Höhe der Weißenburger Straße (was ist dort für eine Firma?). So könnten auch zusätzliche Fahrten zum KIT-Campus Nord angeboten werden.

Die Frage wäre noch, wie weit man fahren sollte? Bis Leopoldshafen sollte das alles kein Problem sein. Linkenheim ist eben eingleisig. Mit Zweisystembahnen wäre das alles kein Problem.

_________________
Nahverkehr in Baden-Baden und Sinzheim

Meine ÖPNV-Galerie


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 00:30 
Offline

Registriert: 25. November 2009, 12:00
Beiträge: 699
Wohnort: Bietigheim
Das Hamburger System ist nicht direkt mit Karlsruhe vergleichbar. Dennoch standen in Zeiten der 50er bis 70er Jahre in Westdeutschland generell Überlegungen über die Zukunft der Straßenbahn an. In Karlsruhe schien eine Stilllegung nicht ernsthaft in Erwägung gezogen worden zu sein. Dagegen wurde in Städten mit ähnlicher Größe wie Münster oder Aachen die Straßenbahn stillgelegt. In den damaligen westdeutschen Millionenstädten wurde die Stilllegung der Straßenbahn beschlossen, obwohl die U-Bahn sie nicht vollständig ersetzen konnte. Als Resultat müssen die Fahrgäste in West-Berlin, Hamburg und auch Münster sowie Aachen wie das in Kleinstädten üblich ist mit dem Bus durch die Stadt schleichen, während man in München noch rechtzeitig aufgewacht ist und eine komplette Stilllegung der dortigen Straßenbahn verhindern konnte.

In anderen Großstädten - etwa in NRW sowie Stuttgart hat man die Straßenbahn zur Stadtbahn ausgebaut und abschnittsweise Tunnel hierfür errichtet. Zumindest im Falle von Köln-Bonn hat man - Vergleichbar mit Albtal- und Hardtbahn - auch Nebenstrecken der Eisenbahn eingebunden und nach Straßenbahn-Stromsystem elektrifiziert.


Der "revolutionäre" Schritt war in Karlsruhe, dass man es tatsächlich durchgeboxt hat, Stadtbahnen auch auf Haupt-Eisenbahnstrecken fahren zu lassen, welche sie teils mit ICEs teilen. Man hat mit geringen Mitteln ein System aufgebaut, welches gut funktioniert hat. Doch der Erfolg des Systemes führte ständig zu neuen Erweiterungen, teils überlangen Linienläufen und damit verbundenen Verspätungen. Obwohl sich die Anzahl der durch die Innenstadt fahrenden Bahnen kaum erhöht hat, wurden die Stimmen nach einem aufwendigem Bau eines Tunnels immer lauter. Dieser bringt uns gerade neben finanziellen Schwierigkeiten auch Behinderungen für den ÖPNV und macht das System noch unzuverlässiger.


Tram-Train auch in Hamburg?
Die Umsetzung des Karlsruher Modells auf Hamburg macht aus meiner Sicht wenig Sinn. Hamburg verfügt über eine vollwertige S-Bahn und zwei Stammstrecken. Damit ist das Umland weitestgehend angeschlossen. Allenfalls im AKN-Netz wäre in dieser Richtung etwas vorstellbar, aber das ist aufgrund des Zeitbedarfes auch keine optimale Lösung.
Wobei ja eher wohl die Rede von einem Mischsystem zwischen U-Bahn und Straßenbahn die Rede war. Das könnte durchaus Sinn machen, um äußere Gebiete kostengünstig anzuschließen und innerhalb der Stadt dennoch einen schnellen Verkehr zu ermöglichen. Allerdings wäre es dann ja keine richtige U-Bahn mehr, die unabhängige Verkehrsführung wäre weg und die Anfälligkeit einer Straßenbahn da. Aus meiner Sicht nicht das Wahre. Eher könnte ich mir noch vorstellen, die U-Bahn etwa bei Norderstedt auf der AKN-Bahn weiterfahren zu lassen.

Aus meiner Sicht ist in einer so großen Stadt wie Hamburg nur ein reines Straßenbahnnetz sinnvoll.



Zurück nach Karlsruhe und zur Hardtbahn:
Strecke ist durchaus interessant. Hatte auch mal überlegt, ob es sinnvoll sein könnte, die S3 nach Neureut zu verlängern und an der S1/S11-Einschwenkung die End- und Umstiegshaltestelle einzurichten. Das würde auch das Problem beseitigen, dass wegen einem kleinen Stück auf der S1/S11-Strecke Zweisystemer nötig wären.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 08:50 
Offline

Registriert: 26. Juli 2014, 19:36
Beiträge: 176
Das wird man bestimmt aktuell nicht umsetzen können. Die S1/11 ist in der HVZ an der Belastungsgrenze. Die werden jeden Tag abgefertigt und haben eh schon Verspätung oder Verfrühung. Das liegt einfach an der Eingleisigkeit: Überfahrt B36-Eggenstein Süd; Schwerinerstraße-Frankfurterstraße; Frankfurterstraße-Friedrichstraße; Friedrichstraße-Grenzstraße
Um Sprinter, Mehrverkehr, S-Bahnverlängerungen oder was weiß ich durchsetzen zu können, muss erstmal alles zweigleisig ausgebaut werden und ob das die Gemeinden wollen und das bezahlbar mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis ist, bezweifel ich.

Zur S3 Verlängerung: Wem bringt die was? Die meisten Menschen leben eher im nördlichen Neureut und fahren die 10 Minuten mit der S1/11 in die Stadt. Die fährt ja nur alle 60 Minuten, eher ein unattraktiver Takt.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 14:02 
Offline

Registriert: 25. November 2009, 12:00
Beiträge: 699
Wohnort: Bietigheim
ET Schienenflitzer hat geschrieben:
Zur S3 Verlängerung: Wem bringt die was? Die meisten Menschen leben eher im nördlichen Neureut und fahren die 10 Minuten mit der S1/11 in die Stadt. Die fährt ja nur alle 60 Minuten, eher ein unattraktiver Takt.
Die Frage hast du selbst halb beantwortet: Denen, die nicht in die Stadt wollen, bringt sie was. Verbindung Heidelberg - Bruchsal - Durlach - Hbf - KA-West - Mühlburg - Siemens - Neureut. Evtl. könnte man auch über die Weiterführung der S31/S32 nach Neureut denken, die kann auch auf der S1/S11-Strecke weiterfahren. Für die S31/S32-Süd waren ohnehin neue Liniennummern vorgesehen. In der HVZ sind ja zwischen Ubstadt und Hbf ohnehin zwei Wagen unterwegs, man könnte auch am Hbf flügeln.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 14:37 
Offline
Benutzeravatar

Registriert: 11. Juni 2009, 11:00
Beiträge: 1219
Wohnort: Karlsruhe
ralf1985 hat geschrieben:
Man hat mit geringen Mitteln ein System aufgebaut, welches gut funktioniert hat. Doch der Erfolg des Systemes führte ständig zu neuen Erweiterungen, teils überlangen Linienläufen und damit verbundenen Verspätungen. Obwohl sich die Anzahl der durch die Innenstadt fahrenden Bahnen kaum erhöht hat, wurden die Stimmen nach einem aufwendigem Bau eines Tunnels immer lauter. Dieser bringt uns gerade neben finanziellen Schwierigkeiten auch Behinderungen für den ÖPNV und macht das System noch unzuverlässiger.
... und hat m.E. das Karlsruher Modell beendet, dessen Sinn für mich darin liegt, mit kleinen, aber effektiven Maßnahmen viel Nutzen mit wenig Geld zu erreichen, statt wie nun mit viel Geld wenig/negativen Nutzen.
Ich habe seit 1995 versucht, im Sinne des K'her Modells Alternativen zu entwickeln, leider nur im ersten Anlauf erfolgreich ... :cry:
Aber das täte eher in den Diskussionsfaden zur Kombi gehören.

Aber weil hier S3 bis Neureut erwähnt wurde:
Umgekehr aufgezäumt hatte ich um 2002 rum mal die Pfalzbahn-Idee entwickelt. Wenn man, was damals in Diskussion war, das Gütergleis auf as Hochgleis legt, könnte man u.U. mit Gleichstrom bis zum Albtalbahnhof und mit anderen Ideen evtl. weiter.

Wobei ich die und andere Ideen irgendwann mal noch weiterentwickeln will zu einer Gesamtlösung, die den Schienenhalbrung besser nutzt, an dem ja viele gewerbliche Arbeitsplätze Karlsruhes liegen, die aber, mit Glück, aus der Karlsruher City heraus erreichbar sind, für Randbewohner oder gar Auswärtige nur äußerst umständlich. Dazu täte nicht nur gehören, die Strecke (KIT-Nord-)Neureut-Mühlburg-Hbf-... zu nutzen, sondern auch die Regionalbahnen etc. besser zu vernetzen mit dem innerstädtischen Verkehr etc. damit die Reisezeiten deutlich kürzer werden ohne Umweg über den Markplatz. Die S3 könnte auch weiter fahren, Ettlingen-West und mit umschaltbarer Oberleitung und Extrabahnsteig auch bis Ettlingen Stadt. Oder Rheinhafen oder Raffinerie oder alles, es kommt ja auch die S-Bahn über Graben.

_________________
Bild
... und U-Strab-Alternativen


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 16:57 
Offline

Registriert: 25. November 2009, 12:00
Beiträge: 699
Wohnort: Bietigheim
Mueck hat geschrieben:
Aber weil hier S3 bis Neureut erwähnt wurde:
Umgekehr aufgezäumt hatte ich um 2002 rum mal die Pfalzbahn-Idee entwickelt. Wenn man, was damals in Diskussion war, das Gütergleis auf as Hochgleis legt, könnte man u.U. mit Gleichstrom bis zum Albtalbahnhof und mit anderen Ideen evtl. weiter.
Nette Idee, welche zum Einbinden ins 10-Minuten-Netz taugen könnte. Wobei damit nicht die zeitsparenden Relationen aus dem Umland möglich sind. Aus der Stadt kommend ist Neureut mit der S1/S11 und Siemens mit der S5 bereits angebunden, somit bei Weiterführung vom Hbf Richtung Innenstadt kaum etwas gewonnen. Ungeschickt ist dagegen die Stadtdurchfahrt, wenn der Fahrgast vom Hbf nach Neureut oder zu Siemens will. Bei letzterem gibt es ja noch den Fußmarsch vom Bahnhof Knielingen als Alternative, aber da fährt ja auch nur eine stündliche RB und vielleicht mal noch eine S51.
Eine Strecke durch die Stuttgarter Straße scheint mir derzeit ebenfalls unrealistisch. Würde auch zu viel Zeit brauchen, bis man darüber mal am Bahnhof Durlach wäre.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 18:16 
Offline

Registriert: 26. Juli 2014, 19:36
Beiträge: 176
Naja gut, ich denke nicht nur Neureut hat das Problem mit der langen Fahrzeit. Ich wäre für eine Verlängerung der S31/32 bis in den eh fast ungenutzten Wendekreis an der Frankfurter Straße. Nach Linkenheim würde es kritischer werden, da hier noch mehr Eingleisigkeit besteht.
Man kann ja folgende Haltestellen bedienen im Stundentakt:
-Hauptbahnhof
-KA West
-KA Mühlburg
-KA Siemens
-Welschneureuter Straße
-Bärenweg
-Neureut Kirchfeld
-Eggenstein Bf
-Spöcker Weg
-Schweriner Straße
-Viermorgen als Bedarfshalt
-Leopoldstraße
-Frankfurterstraße

Einfach die Haltestellen die nah aneinander sind oder nicht so oft genutzt werden etwas rauskürzen um etwas Fahrzeit zu gewinnen, ich meine das ist der Sinn von dieser Verbindung. Aber Viermorgen lässt sich nicht wirklich weglassen, denn dort besteht das Neubaugebiet, welches extrem lange Fußwege zur Schweriner Straße oder Leopoldstraße aufweist und werktags gut genutzt wird. Wochenends könnte man den Halt dort allerdings auslassen.

Dadurch entsteht vom Bsp Leopoldshafen aus eine Zeitersparnis nach:
Hauptbahnhof ca.25-30 Minuten
Bruchsal: bestimmt an die 40-50 Minuten


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Lob an das Karlsruher System und Vergleich mit Hamburg
BeitragVerfasst: 5. Mai 2016, 18:58 
Offline

Registriert: 25. November 2009, 12:00
Beiträge: 699
Wohnort: Bietigheim
ET Schienenflitzer hat geschrieben:
Man kann ja folgende Haltestellen bedienen im Stundentakt:

Könnte mir Vorstellen, dass gerade in der HVZ Potential für einen dichteren Takt bestehen würde.

ET Schienenflitzer hat geschrieben:
Wochenends könnte man den Halt dort allerdings auslassen.
Bei den "Manchmalhalten" stand die AVG in den letzten Jahren in keinem guten Licht. Ein Fahrer meinte mal, er vergleicht den Dienstplan nun mit bahn.de und kvv.de und die Information, welche in der Mehrheit ist bestimmt, ob er mit dem Eilzug an einer Haltestelle hält.


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 26 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de